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Episode 05 – Narzissmus (Teil 1)

Liebe, die dein Leben zerstört

Worum geht’s?

Wir wollen unseren Traumpartner finden, aber werden immer wieder enttäuscht. Einer der Hauptgründe dafür ist die unwiderstehliche und unsichtbare Dynamik von Narzissten und Kodependents die alles ruiniert. Und wenn du nach Beziehungsratschlägen suchst, bist du vielleicht einer von beiden.

 

Transcript

 

Hey, hier ist dein Rolland-Adam und da ich mich jetzt bereits zwei mal selbst zitiert habe, passt es doch gut, dass wir heute über Narzissmus reden. Ganze zwei Teile lang, denn das Thema ist ja in aller Munde.
Viele Leute interessiert wie sie einen Narzissten erkennen, und vor allem: wie gehen sie mit einem um, wenn sie ihn blöderweise geheiratet haben.
Beginnen wir klassisch superlovemäßig: das sind die falschen Fragen, die du dir vielleicht stellst.

Schauen wir uns mal drei Paare an, die unterschiedlicher nicht sein könnten, die jedoch alle das gleiche Problem haben.

Paar 1

Sie machen immer alles zusammen, sie flirtet jedoch auch mal mit anderen Männern, und er trägt ihr die Handtasche hinterher.

Paar 2

Das ungleiche, stereotype Paar neben uns im Restaurant: er 65 und offensichtlich steinreich (das einzige, das er ihr bieten kann), sie 25 und wunderhübsch (das einzige das sie ihm bieten kann). Sie reden nicht viel miteinander, aber beide sind glücklich mit ihrem „Arrangement“.

Paar 2

Das Paar, das ständig über die unscheinbarsten Belanglosigkeiten streitet.

Alle drei Paare haben etwas gemeinsam: sie folgen der exakt selben Dynamik. Jede dieser Beziehungen hat ähnlich begonnen und kein Paar hat eine echte Chance auf eine lange, erfüllte und glückliche Zeit. Es ist so vorhersehbar, dass ich darauf Geld setzen würde, wenn ich könnte.

Gefühlt folgen 90% der Menschen unbewusst diesem Muster, dabei ist es einfach zu erkennen, wenn man weiß welches es ist.

Für gesunde Beziehungen gibt es zwei heilige Regeln:

 

Regel Nr. 1

Jeder übernimmt die Verantwortung für seine eigenen Emotionen und Handlungen.

 

Regel Nr. 2

Jeder kann erwarten, dass der andere das selbe für seine eigenen Emotionen und Handlungen tut.

 

Ein Beispiel aus meinem eigenen Corona-Quarantäne-Alltag:
Meine Freundin und ich liegen im Bett und sie will suuuuper eng kuscheln. Mir ist das gerade zu viel, ich gehe etwas auf Abstand und pampe sie an: „Ich will jetzt nicht kuscheln!“. Sie erst einmal baff und fragt mich dann die Frage, vor der jeder Mann Angst hat:
„Was ist denn los?“

Nach einem total männlichen wie überflüssigen herumgedruckse gebe ich ihr schließlich eine Antwort: „Ach, die ganze Corona-Sache belastet mich etwas. Niemand weiß wie es weitergeht und dann willst du so oft kuscheln. Wenn ich so unter Druck stehe, dann will ich manchmal nicht so eng sein, tut mir Leid.“
Darauf sagt sie, dass das vollkommen ok ist und sie in Zukunft darauf Rücksicht nehmen will indem sie versucht zu erkennen wann es mir wohl zu viel ist.

Was nach einer normalen Alltagsszene klingt, ist ein herber Verstoß gegen Regel 1. Ich habe mein Problem zu ihrem Problem gemacht, indem ich stillschweigend erwartet habe, dass sie mein Problem löst.

Meine Unsicherheit ist meine Emotion und basiert auf meiner Auswahl der Interpretation der Situationen in meinem Leben. Also ist es meine Verantwortung mich darum zu kümmern. Meine alleine. Nicht ihre.

Wenn ich mich dann aus lauter Frust zurückziehe, eine Flasche Gin vernichte und mich deswegen am nächsten Tag schuldig fühle und ihr dann vorwerfe dass „Ich das nur tun musste, weil du mich erdrückst“, dann mache ich sie nicht nur für meine Gefühle verantwortlich, sondern auch für meine Handlungen die aus diesen Gefühlen resultieren.

Obwohl ich mich in der Situation so fühle als ob ich die Oberhand habe, da ja sie eindeutig (nicht) die Schuld daran hat, dass ich mich elend fühle, ist aus Superlove Perspektive genau das Gegenteil der Fall.

Indem ich sie für meine Emotionen oder idiotischen Handlungen verantwortlich mache, entmachte ich mich selbst, Kontrolle über mein eigenes Leben auszuüben.
Wenn ich diese Situation so aufschlüssle, ist es recht einfach zu erkennen warum dieses Verhalten so schädlich ist. Aber haben wir nicht alle schon einmal unseren Partner für unsere Gefühle Verantwortlich gemacht weil er unsensibel, unüberlegt, schroff, unpünktlich, etc. war?

Wichtig hier ist: es gibt keine Ausnahmen. Wir alleine sind verantwortlich dafür wie wir auf die Außenwelt (inkl. Partner) reagieren. Niemand anderes.

Dann gibt es noch die Kehrseite dieser Medaille, die leider schwieriger zu identifizieren ist, da sie total lieb ist, und doch niemand etwas dagegen haben kann wenn jemand lieb zu einem ist oder? Was für ein Monster müsste dieser Mensch sein?

Meine Freundin spürt, dass es mir nicht gut geht und tut alles um es mir Recht zu machen. Sie hat fast schon ein schlechtes Gewissen, schickt mir liebe Nachrichten und backt mir einen Kuchen.

Obwohl das total lieb ist und ich mich dadurch auch besser fühlen würde, verstößt sie jedoch damit gegen Regel 2. Sie übernimmt Verantwortung für meine Gefühle, indem sie versucht es mir Recht zu machen.
Es ist jedoch nicht ihre Aufgabe meine Emotionen zu erraten und darauf zu reagieren. Ich bin ein großer Junge und kann mich selbst darum kümmern – also in der Theorie 😉

Ich MUSS mich selbst darum kümmern. Wenn ich zulassen würde, dass sie das tut würde ich mir wie im ersten Beispiel selbst die Kraft rauben, mich selbst aus der emotionalen Schieflage zu hieven.

Was hat das alles nun mit unseren drei Paaren vom Anfang tu tun?
Ganz einfach: Hier tanzen ein Narzisst und ein Kodependent ihren Tango des Untergangs.

 

Frauenzeitschriften

Der Begriff des Narzissten wird heutzutage vor allem in Frauenzeitschriften hin und hergeworfen und führt eigentlich nur dazu, dass jetzt jede frustrierte Frau ihren Mann als Narzisst pathologisieren kann.
Sogar Google spielt mit, denn der Top-Treffer beim Begriff “Narzisst” ist ein Artikel auf wunderweib.de mit dem Titel “7 Zeichen dafür, dass ein Mann ein Narzisst ist”.

Aber spielen wir auch mal mit und klinken uns in diese unfair einseitige Diskussion ein. Dann kann ich nicht anders und sage:
Wer Narzisst sagt muss auch Kodependent sagen.

Man kann sich die Welt nicht so zusammenschustern wie es einem gefällt, und die Schuld nur beim Partner suchen. Denn wenn du nach einem Aritkel auf wunderweib.de als Dr. Cosmopolitan deinem Mann die Diagnose “Narzisstische Persönlichkeitsstörung” stellst, dann musst dich auch fairerweise fragen was mit dir nicht ganz stimmt, dass du dich in diesen Menschen verliebt hast.

Kurzer Einschub an dieser Stelle, denn das ist wirklich wichtig: Solange du kein geschulter Psychologe bist und direkten Zugriff auf jemanden hast, solltest du ihm nie gleich eine Diagnose stellen. Wir müssen aber alle trotzdem irgendwie unser Leben navigieren und glücklich werden, daher hilft dieses Wissen um Menschen besser einzuordnen. Wenn die Lage ernst ist, dann brauchst du definitiv professionelle Hilfe.

Aber jetzt zurück zu dir Dr. Cosmo. Es mag jetzt sein, dass dein Mann am Anfang der Beziehung vielleicht nicht ganz so egoistisch war, es kann aber auch sein, dass du ihn am Anfang idealisiert hast oder halt einfach Hals über Kopf verliebt in ihn warst und es nicht gesehen hast oder sehen wolltest. Oder du warst allzu sehr damit beschäftigt ihm zu gefallen anstatt ihn dir gründlich anzuschauen.

Wie dem auch sei, hat sich dein Patient in dich verliebt, also müssen wir uns fragen, wen ein Narzisst unwiderstehlich findet? Und da ist sich die Psychologie einig: es ist ein Kodependent.

Aber was ist eigentlich ein “Narzisst” und ein “Kodependent”?

 

Was ein Narzisst will

Er macht den anderen Verantwortlich für seine Gefühle, daher lagert er unbewusst die Kontrolle über seine Gefühle an den Partner aus.

Der Narzisst ist derjenige in der Beziehung, der bei einem Streit die Teller an die Wand wirft und dann sagt: „Siehst du, wozu du mich gebracht hast?“, oder der nette Cousin davon: „Ich habe das nur gemacht weil ich dich liebe“. Nein hast du nicht, du hast es getan weil du ein Selbstsüchtiger Freak bist. Werd erwachsen und übernimm Verantwortung für Omas Porzellan, oder mach deine Sauerei zumindest selbst weg.
Wenn ein Narzisst unglücklich, gestresst oder traurig ist, erwartet er dass sein Partner ihn aus dem Tief holt.

Daher hangeln sich Narzissten oft von einer Beziehung zur anderen und werden nie glücklich, weil „alle Männer/Frauen gleich bescheuert sind“. Dabei sind sie es selbst, die das Drama verursachen.

 

Was ein Kodependent will

Er fühlt sich verantwortlich für die Gefühle seines Partners, da er anderen immer gefallen will. Schaffen sie das nicht, fühlen sie sich ständig schuldig, dass sie es nicht schaffen ihn glücklich zu machen. Wenn der Partner müde, wütend oder frustriert ist, haben sie das Gefühl, dass es ihre Aufgabe ist ihren Partner aus diesem Tief zu holen. Sie verurteilen sich selbst, da sie ihm nicht helfen können und keine Last sein wollen. Der Kodependent geht sogar soweit, dass er sich selbst aufopfert, daher schafft er es auch nicht seine eigenen Bedürfnisse vernünftig zu äußern.

Und so wird der Kodependent von einer Beziehung zur nächsten weitergereicht, da er ständig jemanden glücklich machen will, es aber nie schafft (da das eine unmögliche Aufgabe ist) und wenn die Beziehung dann plötzlich zu Ende ist, steht er (wieder) verdutzt und enttäuscht da.

Das Abgefahrene ist: Diese zwei finden sich unwiderstehlich. Sie finden den jeweils anderen einfach super. Das ist auch der Grund, warum es nicht ausreicht verliebt zu sein. Eventuell bist du nämlich in einen Narzissten verliebt weil du ein Kodependent bist und andersherum.

Bei näherer Betrachtung macht das aber durchaus Sinn.
Der Narzisst hat ein nie endendes Verlangen gestärkt zu werden, und der Kodependent hat ein nie endendes Verlangen zu stärken. Der Narzisst hat ein ständiges Bedürfnis seine Verantwortung für seine Gefühlswelt an andere auszulagern, was nur von einem Kodependent gestillt werden kann der ein ständiges Bedürfnis hat die Verantwortung seines Partners zu übernehmen. Und so beginnt der toxische Kreislauf.

Das Fatale daran ist, dass es für einen Nicht-Superlover unendlich schwer ist die narzisstische Liebe von einer gesunden Liebe auf einer emotionalen Ebene zu unterscheiden. Beide fühlen sich gut an. Aber nur die eine wird dich langfristig glücklich machen. Oder richtiger ausgedrückt:
Die erstere wird dich langfristig von deinem wahren, und gesunden ich weiter entfernen, und die andere wird dich deinem Wahren und gesunden ich näher bringen.
In der nächsten Folge, die einen Tag vor Weihnachten erscheinen wird, schauen wir uns noch einmal die drei Pärchen vom Anfang genauer an und welche genauen Dynamiken sie entwickeln, warum ihre Beziehungen nicht funktionieren können, was wir daraus für unsere Beziehungen lernen können und wie wir im ersten Date erkennen, ob wir es mit einem Narzissten zu tun haben.

 

Wie ist nun Jasmin’s und meine Kuschel Corona-Situation ausgegangen?

Glücklicherweise habe ich gerade für diesen Podcast recherchiert und mir ist rechtzeitig bewusst geworden, dass ich mich wie ein narzisstisches Arschloch verhalten würde, wenn ich meine Freundin das Ratespiel spielen lassen würde „Wann will Roland keine Zärtlichkeiten?“, anstatt selber Verantwortung für meine Emotionen zu übernehmen. Daher habe ich zu ihr gesagt: „Ich kann doch nicht von dir erwarten, dass du ständig raten musst wann ich bereit für Zärtlichkeiten bin. Wir müssen es andersherum machen: Ich sage dir wann es mir zu viel ist. Ok?“.

„Klaro, sag einfach. Kein Problem“.